von Fr. Prof. Dr. Alexandra Resch und Prof Dr. Thomas Rand für die ÖRG

A comparison of breast cancer incidence and cancer stages before and after the introduction of the Austrian national breast cancer screening program in the federal state of Salzburg

Real-world data from the Tumor Registry Salzburg; Volume 137, pages 205–213, (2025); Publiziert: 01 April 2025

Im April dieses Jahres wurde in der Wiener Klinischen Wochenschrift (2025): 137; 205-213 gerade zum 10jährigen Bestehens des österreichischen Brustkrebsscreeningprogrammes (BKFP) eine Auswertung für Salzburg publiziert und von den Autoren zum Teil sehr negativ bewertet, was in der Folge auch in vielen Medien für entsprechende Kommentare sorgte.

Laut der Autoren wäre keine signifikante Verringerung fortgeschrittener BK-Stadien im Bundesland Salzburg im Vergleich zum opportunistischen Screening eingetreten, der Rückgang nodal positiver Tumore sei nicht signifikant gewesen und Alter und Wohnort (Stadt-Land) hätten keinen nennenswerter Effekt.

Prof. Michael Fuchsjäger gab als aktueller Präsident der EUSOBI und der ÖGS (Österreichische Gesellschaft für Senologie) unmittelbar nach Erscheinen der Artikel ein Radiointerview und konnte dadurch auch viele der Behauptungen entkräften und relativieren. Auch die ÖGK publizierte eine entsprechende Stellungnahme.

Trotzdem ist es wesentlich, dass Radiolog:innen und Expert:innen bei Anfragen von Kolleg:innen oder Patientinnen sachlich fundiert Auskunft geben können. Die Kenntnis der tatsächlichen Fakten ist von größter Bedeutung.

Daher möchten wir Ihnen eine Aufarbeitung des Themas und der wissenschaftlichen Grundlagen auf Basis der Stellungnahmen verschiedener Autoren und Gesellschaften: Prof. Michael Fuchsjäger, Prof. Alexandra Resch, Doz. Franz Frühwald, EUSOBI, ÖGS, BURA, BKFP und ÖGK präsentieren:

Ein zentraler Kritikpunkt in der Bewertung der Studie betrifft den Beobachtungszeitraum 2010–2014. In diesem Zeitraum hat in Salzburg bereits ein einladungsbasiertes Pilotprojekt stattgefunden. Das erklärt auch, warum in der angeblich ersten Screeningrunde ab 2014 keine typische „Abschöpfung“ fortgeschrittener Tumoren beobachtet wurde. Tatsächlich handelte es sich bei der untersuchten Runde 2014 bereits um die dritte Screeningrunde.

Dennoch zeigen sich deutliche Verbesserungen in mehreren Parametern: So konnte der Prozentsatz fortgeschrittener Stadien nahezu halbiert werden, während die Detektionsraten von DCIS und T1-Tumoren um 10–20 % anstiegen – auch wenn diese Effekte aufgrund der zu geringen Anzahl an Teilnehmerinnen statistisch nicht signifikant waren. Auf diesen Umstand, dass die Ergebnisse bei der angestrebten höheren Anzahl an Teilnehmerinnen vermutlich besser aussehen würden, weisen auch die Autoren der Studie in ihrer Conclusio ausdrücklich hin, was aber in den diversen Zeitungsartikeln leider nicht so erwähnt wurde.

Das österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm erreicht (mit Ausnahme der Beteiligungsrate) alle geforderten Qualität-Benchmarks auf europäische Ebene mit dem BKFP seit Jahren; Programmsensitivität sowie Programmspezifität übertreffen die EU-Vorgaben, somit ist hinsichtlich Brustkrebs-Detektion und Tumorcharakteristika (Größe, Stadium, Metastasierung) der Karzinome durchaus von einem Programmerfolg zu sprechen.

Naturgemäß ist die Programmwirksamkeit für die Frauen nur gegeben, wenn sie selbst regelmäßig daran teilnehmen; das BKFP appelliert daher auch an die Medienberichterstatter, von einer „Panikmache“ durch überzogene Schlagzeigen, abzusehen und vielmehr dafür, die Frauen zur Teilnahme an diesem kostenlosen, hervorragenden Angebot zu animieren.

Wesentlich für das Verständnis der Studienergebnisse aus dem Bundesland Salzburg ist, dass in Salzburg dem österreichweiten Brustkrebs-Screening-Programm ein lokales Pilot-Programm vorangegangen ist, in dem über 4 Jahre alle Frauen jährlich zu Mammographien eingeladen wurde. Dass dabei viele Tumore in frühzeitigen Stadien erkannt wurden, verwundert wenig. Gleichzeitig ist klar, dass dieser „Initial-Effekt“ der vermehrten Auffindungsquote von bösartigen Veränderungen bei neu implementierten Screeningprogrammen für das BKFP in Salzburg entfallen musste, weil ja schon durch die dem BKFP in Salzburg vorangegangenen Screeningrunden dort (und auch in 3 weiteren Bundesländern) bereits die initial erhöhte Tumor-Entdeckung neu implementierter Tumore bereits im Vorgänger-Screening-Programm erfolgt war. Ein Screening zielt zudem nicht zwingend nur auf die Inzidenz ab, vielmehr geht es darum, möglichst viele Tumoren im frühen Stadium zu detektieren und hier kann das BKFP mit einer deutlichen Erhöhung der Detektionsrate aufwarten, es werden im Rahmen des Programms etwa doppelt so viele invasive Karzinome entdeckt wie vor seiner Einführung (421 Karzinome pro 100.000 Untersuchungen gegenüber der Hintergrundinzidenz). Weiters ist im Vergleich zu beachten, dass in der Studie alle Untersuchungen, egal aus welchem Grund mit eingeflossen sind. Betrachtet man die Screeninguntersuchungen allein, zeigen sich in Österreich in der Kernzielgruppe bei mind. 75 % der Frauen ein Tumorstadium 0 oder I. Bei allen Frauen sind es gem. Krebsstatistik nur rund 55 %. Das unterstreicht schon, nicht zu warten bis sich Symptome zeigen und ist ein starkes Argument für das BKFP.

Die Teilnahmerate im Bundesland Salzburg ist seit Programmstart stabil etwas über dem österreich-weiten Durchschnitt und beträgt rund 45%. Mit Einführung des Brustkrebs-Screening im Jahr 2014 wurde vor allem die Qualität der Untersuchungseinrichtungen auf ein einheitlich hohes Niveau gebracht. Frauen können sich bei rd. 160 Untersuchungseinheiten, die sie in Wohnortnähe vorfinden, darauf verlassen, dass alle am Screening beteiligten Personen bestens geschult sind, die Untersuchungsgeräte laufend einer Qualitätskontrolle unterzogen werden und dass alle Bilder im 4-Augen-Prinzip doppelt befundet werden. Diese hohe Untersuchungsqualität und besonders auch, dass bei Bedarf eine unmittelbare weitere Abklärung durch eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt  wird, stellt für die Frauen in Österreich ein hervorragendes Angebot mit niederschwelligem Zugang dar. Dieses Angebot ist auch europaweit einmalig!

In Bezug auf die Teilnahmerate werden die Vorgaben einer Teilnahmerate von 70% je Zweijahreszyklus gemäß EU-Leitlinien in Österreich aktuell noch nicht erreicht. Die Versorgungsrate für Mammografien in der Kernzielgruppe beträgt 53%. Die letzte Evaluierung stammt aus dem Jahr 2023 und beinhaltet die Jahre bis 2014 bis 2021, also vier Zyklen zu 24 Monaten.

Tatsächlich differiert in Österreich leider die Neigung, Empfehlungen von Behörden nachzukommen zu europäischen Ländern beträchtlich – in den Ländern des Nordens (Schweden, Norwegen) sind die Beteiligungsraten an Screeningprogrammen fast immer vergleichsweise höher als in Mitteleuropa. Diese korrelieren im Übrigen auch mit Impfraten.

Um die Teilnahmerate zu steigern, setzt das Programm neben klassischen Öffentlichkeits-Kampagnen verstärkt auf Kooperationen mit Netzwerken und anderen Communities mit migrantischen Hintergrund sowie auf die Aufklärung durch die Ärztinnen und Ärzte des Vertrauens.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm “früh erkennen” erfolgreich dazu beigetragen hat, Brustkrebs in früheren Stadien zu entdecken, was die Heilungschancen verbessert und potenziell die Sterblichkeitsrate senkt. Die hohen Qualitätsstandards und die systematische Vorgehensweise des Programms sind wesentliche Faktoren für diesen Erfolg.

 

Wie performt „früh-erkennen”?

✓ Für die Frauen der Zielgruppe sehr angenehm:

    • Wohnortnah (im eigenen Bezirk)
    • In „vertrauter Umgebung” (RÖ.
       Ordination, zumeist nahes Krankenhaus im Assessment)
    • persönlich mit Arztkontakt
    • bei Bedarf Ultraschall unmittelbar nach der Mammografie
    • Sehr kurze Wartezeit auf Ergebnis
    • Kommunikation ungünstiger Ergebnisse persönlich, nicht „nur” schriftlich
    • Opt-in Möglichkeit für Frauen zwischen 40 und 44 Jahren sowie für +75jährige

✓ ALLE Mammografien (Screening + „kurativ”)werden im Programm erfasst und in die Auswertung einbezogen!!
✓ Möglichkeit eines Risiko-adaptierten Screenings durch Vertrauensärztinnen It. Indikationenliste (zB Brust-Dichte, Alter, Familienanamnese etc.)
✓ EU-Benchmarks in Bezug auf Programmsensitivät und Programmspezifität

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