von H. Gruber
Das idiopathische Karpaltunnelsyndrom stellt die häufigste Kompressionsneuropathie dar und wird durch die Strangulation des Nervus medianus am Karpus hervorgerufen. Durch die Verdickung des transversalen Carpalligamentes (TCL) wird der Nerv in diesem Bereich mechanisch schlussendlich an den knöchernen Karpus gedrängt und geschädigt; damit ergibt sich eine sukzessive Verschlechterung der Nervenfunktion einerseits (Sensibilitätsstörungen der Hand und Finger) und andererseits ein zunehmend die Lebens- und Schlafqualität einschränkende Schmerzsymptomatik. Die Therapie besteht grundsätzlich mechanisch in der Aufhebung der genannten Strangulation und hier kommt die interventionelle Sonographie ins Spiel: da wir nicht – wie Chirurgen – den Situs eröffnen müssen um das TCL zu durchtrennen, können wir unter sonographischer „Sicht“ mit einem speziellen Hakenmesser, welches durch eine sehr kleine Stichinzision am Unterarm eingebracht wird, die Strangulation i.e. das TCL durchtrennen.
Es wird eine „Safe Zone“ (Nakamichi-Space) genutzt, um die Werkzeuge (Knopfkanüle, Hakenmesser) in den Karpaltunnel einzubringen.
Unter ständiger sonographischer Darstellung und nach eindeutigem Nachweis der regelrechten Lage des Schneidewerkzeuges wird das Hakenmesser am distalen Rand des TCL eingehängt und dieses unter sonographischer Echtzeitdarstellung im Rückzug – bei liegender, schienender Knopfkanüle (Pfeilköpfe) – durchtrennt und damit die Strangulation des Nerven gelöst (Pfeile).
Nach Entfernung der Werkzeuge erfolgt eine Pflasterdeckung des Stichinzision am Unterarm, welche nach etwa einer Woche durch den Patienten umstandslos selbst entfernt wird; die Handfunktion ist und bleibt jenseits der anästhesiebedingten Sensibilitätsstörung unmittelbar und vollständig erhalten, weshalb nach der OP einer unmittelbaren Nutzung der betroffenen Hand nichts im Wege steht (1).
Die Langzeitresultate zeigen – nebstmit der chirurgischen Standard-OP vergleichbaren Erfolgsaussichten – ein sehr zukunftsträchtes Risiko- und Outcomeprofil der Prozedur, wenn diese von entsprechenden Expert:innen auf dem Gebiet der muskuloskelettalen und Nervensonographie durchführt wird (2).
1 Loizides A, Honold S, Skalla-Oberherber E, Gruber L, Löscher W, Moriggl B, Konschake M, Gruber H. Ultrasound-Guided Minimal Invasive CarpalTunnel Release: An Optimized Algorithm. Cardiovasc Intervent Radiol. 2021 Jun;44(6):976-981.
2 Honold S, Loizides A, Skalla E, Gruber L, Plaikner M, Gruber H. Minimally invasive ultrasound-guided carpal tunnel release: long-term clinical outcomes. Ultraschall Med. 2025 Sep 8. doi: 10.1055/a-2678-8214.
Univ.- Prof. Dr. Hannes GRUBER
Nach seinem Medizinstudium 1991 – 1998 war, damals noch Dr. Hannes Gruber zunächst am Institut für Anatomie tätig.
Nach der Turnusausbildung am LKH Hall i.T. (- 2000) begann er im Jahr 2000 seine Radiologieausbildung an der Univ.-Klinik für Radiologie und absolvierte erfolgreich seine Facharztausbildung 2006.
Mit seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten Nerven- und muskuloskelettale Sonografie sowie der gezielten Schmerztherapie beschäftigte er sich in seiner Habilitationsschrift (2007) mit der hochauflösenden Sonografie im peripheren Nervensystem. Seit vielen Jahren engagiert sich Prof. Hannes Gruber auch im Vorstand der ÖGUM für die Ausbildung von (jungen) Ärzt:innen unterschiedlicher Fachrichtungen.
Dabei ist ihm die Betonung des klinischen Werts der Bildgebung, sowohl diagnostisch als auch therapeutisch, besonders wichtig. Mit über 110 in Top Journalen veröffentlichten, wissenschaftlichen Arbeiten konnte er bislang die Wichtigkeit sonographischer Bildgebung und sonographisch-geführter Therapien darstellen.
Mit seinem Team an der Univ.-Klinik für Radiologie Innsbruck war er in den vergangenen Jahren besonders auch maßgeblich an Entwicklungen und Innovationen wie zum Beispiel sonographisch geführten Schmerztherapien oder der sonografisch gestützten interventionellen Therapie des Karpaltunnelsyndroms beteiligt.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat ihm als Leiter des Sonografie-Teams an der Univ.-Klinik für Radiologie aus o.g. Gründen 2023 den Berufstitel „Universitätsprofessor“ verliehen.
