EIN PRÄSIDENT STELLT SICH VOR

Ein Präsident stellt sich vor

Prim. Manfred Gschwendtner – neuer Präsident der ÖGIR im Gespräch mit Thomas Rand

 

S.g.Prim Gschwendtner, lieber Manfred,

Du bist seit kurzem designierter ÖGIR Präsident. Was siehst Du als Hauptaufgaben für Deine Präsidentschaft an?

In der Hauptversammlung im Jänner 2013 habe ich für 2 Jahre die Präsidentschaft der interventionellen Radiologie Österreichs (ÖGIR) übernommen.

Als relativ junges Fachgebiet in der Radiologie ist es mir wichtig die Interessen der Interventionellen Radiologen gegenüber anderer Fachrichtungen zu vertreten und bei Interessenskonflikten aktiv tätig zu werden.

Dazu ist es auch notwendig in der Fachgruppe die begonnene Zertifizierungsoffensive im Bereich der interventionellen Radiologie weiter voranzutreiben.( initiiert durch meinen Vorgänger Prof. Siegfried Thurnher)

Hast Du Dir darüber hinaus besondere persönliche Ziele gesetzt?

In meiner Funktion als Kongresspräsident des IROS 2014 möchte ich wiederum ein interessantes, spannendes Programm gemeinsam den Fachkollegen der deutschen und schweizerischen interventionellen Radiologen bieten und das Ziel wäre die Teilnehmerzahl über die magische  Zahl von 1000 zu bringen.

Du bist wohl einer der wenigen, die sowohl interventionelle als auch diagnostische Radiologie betreiben. Wie siehst Du da die Zukunftsentwicklung? Gehen die beiden Entitäten zunehmend auseinander oder möchtest Du sie gerne näher beisammen sehen?

Ein Auseinanderdriften der diagnostischen und der interventionellen Radiologie würde insbes. den interventionellen Part nur schwächen.

Uns muss klar sein, dass der interventionellen  Radiologie eine  „Abspaltung“  nur schaden würde und es für andere Fachgebiete ein Leichtes  wäre Teile der IR zu übernehmen. Darum ist es mir ganz wichtig, dass die Interventionelle Radiologie als Teil der Gesamtradiologie zu betrachten ist.

 

Wo siehst Du die Trends innerhalb der IR, wo erwartest Du die nächsten Innovationen (ONKO? Vaskulär?)?

Die onkologischen Interventionen haben in den letzten Jahren auch in unserem Haus deutlich zugenommen, ich erwarte mir hier, dass weitere Tumoren mit spezifischen Markern, Partikeln, Nanopartikeln behandelt werden können. Derzeit beschränken wir uns auf Behandlungen von HCCs und Colonmetastasen , hier wird es sicher zu einer deutlichen Erweiterung des Behandlungsspektrums kommen.

Im rein vaskulären Bereich ist derzeit wohl die Frage „Drug eluting ballon“ versus „Drug eluting stent“ die Methode,  welche doch bald einer eindeutigen Evidenz insbes. im Bereich der PTA der AFS  zugeführt werden sollte.

Als ein weiteres Beispiel möchte ich die endovaskuläre Behandlung des komplexen Aortenaneurysmas erwähnen. Die Entwicklung geht in rasch verfügbare und relativ  einfach zu implantierbare fenestrierte und gebranchte Prothesen. Wartezeiten von Monaten bis zum Eingriff werden damit der Vergangenheit angehören.

Wie siehst Du die IR in Österreich im Bewusstsein der Krankenhausmanagementebenen, der Medien, und der Patienten. Da gibt es doch ein ordentliches Gefälle? Kann man da noch etwas tun?

Hier möchte ich aus meinem eigenen Umfeld berichten, hier ist es nach wie vor so, dass wir z.T. nur als Kostenverursacher und nicht im Gesamtsystem  „Patientenbetreuung“, sprich Behandlung einer Erkrankung gesehen werden.

Dies kommt noch aus der Zeit, als wir als reines Servicefach gesehen wurden und nicht als aktiv Tätige in der Behandlung von Erkrankungen betrachtet wurden.

Der Kostenfaktor z.B. einer Aortenprothese wird rein der Radiologie angelastet, im Gegenzug kommt die Behandlung des Aortenaneurysmas z.B. einer chir. Abteilung dadurch billiger. Hier wäre dringend ein ganzheitlicheres Denken auch in den obersten Führungsetagen angezeigt. 

Als weiteres Beispiel möchte ich doch die für mich völlig unklaren und z.T. unseriösen Aussagen bei der Behandlung von Uterusmyomen durch Embolisation der Interventionellen Radiologen im Vergleich zu den gynäkologischen Behandlungen bewerten.

In diesen von mir hier kurz dargestellten Problemfällen (es gibt deren viele) hilft nur weitere Aufklärung, nach dem Motto „steter Tropfen kühlt den Stein“.

Nochmals möchten wir Dir zu Deinem verantwortungsvollen Amte gratulieren und wünschen Dir viel Erfolg und Kraft bei der Bewältigung der Aufgaben. In Deine Vorträge rutscht ja das eine oder andere Mal auch ein Bild aus Deinem großen Hobby, nämlich der Sammlung und dem Erhalt klassischer Traktoren. Da vereint sich hier auch Mechanik, Wissen und Geschick. Was ist komplexer Traktoren oder Stents?

Recht herzlichen Dank für die guten Wünsche. Für eines meiner (leider zu vielen) Hobbys bleibt mir derzeit relativ wenig Zeit. Ich genieße es jedoch die wirklich einfache, bewährte, und robuste Technik der Traktoren für mich zu nutzen und in gemächlichem Tempo der für mich so rasanten Zeit in der Radiologie für wenige Stunden zu entkommen (diese Zeit nutze ich jedoch um einerseits die Natur zu erleben und neue Gedanken für meine Arbeit zu entwerfen).

 

Kurz CV

Manfred Gschwendtner, Jahrgang 1954

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Ausbildung, beruflicher Werdegang: 4 Jahre Gymnasium, 5 Jahre HTL Elektrotechnik, 2 Jahre Tätigkeit in einem großen Linzer Elektrobetrieb (Installationsplanung, Kabelfernsehen), Externistenmatura, Medizinstudium.

Turnustätigkeit im KH der Elisabethinen Linz, Einstieg in das Fachgebiet Radiologie.

Seit 1989 in Angiographie und IR tätig

Spezialgebiete: Carotisstents, TIPS, komplexe Aortenaneurysmabehandlung, onkolog. Interventionen,Schmerztherapien an der Wirbelsäule (Ozon, Vertebroplastie…………….)

Seit Jahren Vortragstätigkeiten und Verfasser von Artikeln zu den oben angeführten Themenbereichen.