EHRENMITGLIEDSCHAFT

Prof. Walter Hruby und Dozent Franz Frühwald werden Ehrenmitglieder des Verbandes für Medizinischen Strahlenschutz Österreichs

Anlässlich des Österreichischen Röntgenkongresses und der gemeinsamen Jahrestagung des Verbandes für Medizinischen Strahlenschutz Österreichs (VMSÖ) 2012 in Graz wurden Prof. Dr. Walter Hruby, Primarius am Donauspital der Stadt Wien und Past-President der Österreichischen Röntgengesellschaft, sowie Doz. Dr. Franz Frühwald, Leiter des Röntgeninstituts Frühwald in St. Pölten und Vorsitzender der Bundesfachgruppe Radiologie der Österreichischen Ärztekammer, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die Ehrung in Vertretung des erkrankten VMSÖ-Präsidenten Doz. Dr. Martin Uffmann wurde von Prof. Franz Kainberger, Past-President des VMSÖ, vorgenommen.

 

Herr Prof. Dr. Walter Hruby absolvierte nach dem Medizinstudium in Wien seine Ausbildung an der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien und im Krankenhaus Lainz, dort in enger Kooperation mit Prof. Friedrich Olbert (auch er ist Ehrenmitglied des Verbands für Medizinischen Strahlenschutz Österreichs). Nach seiner Tätigkeit als Oberarzt in der Rudolfstiftung wurde er Primarius im damals unter der Leitung von Prof. Karl-Heinz Tragl neu gegründeten Donauspital. Durch das weltweit erste PACS-System und den Aufbau eines digitalen Röntgeninstituts trug Walter Hruby dazu bei, der Wiener Radiologie Weltgeltung zu verschaffen. Wenn heute im Strahlenschutz über Dose-recording-Systeme, elektronische Order-entry-Systeme, Dosismanagement oder strukturiertes Reporting als heiße Themen gesprochen wird, so wurden die Fundamente dieser Entwicklungen vor 20 Jahren in Wien gelegt. Dies zu einem Zeitpunkt, zu dem nicht wenige dem Konzept einer Volldigitalisierung wegen der Vielzahl technischer Probleme kritisch gegenüber standen.

Walter Hruby ist auch für seine unermüdliche intensive Tätigkeit für das Fach Radiologie im Rahmen der österreichischen Röntgengesellschaft zu danken. Es ist nicht nur seine langjährige Tätigkeit unter anderem als Präsident und mehrfacher Kongresspräsident, auch das enorm rasche und effiziente Vorantreiben von Projekten ist hervorzuheben; ebenso – den Funktionsträgern mit Insiderwissen ist es bewusst – das gelegentliche Trouble-Shooting, wenn etwas nicht so funktionieren wollte wie es sollte.

Walter Hruby hat sich auch regelmäßig in Grenzgebiete des Faches Radiologie vorgewagt, dort wo der Mainstream und seine Vertreter eher wenig anzutreffen sind. Dass dazu vor Jahrzehnten auch die Interventionelle Radiologie gehörte, mutet aus heutiger Sicht überraschend an. Der Strahlenschutz ist ein solchesThema wie es auch die Ausbildungsfragen, die Computerassistierte Radiologie oder das Management in der Radiologie sind. Bereiche, die sich in der Zwischenzeit zu eigenständigen Gebieten mit jährlichen Fachtagungen, Subspezialgesellschaften und auch eigenen wissenschaftlichen Journalen entwickelt haben.

Herr Dozent Dr. Franz Frühwald hat nach dem Medizinstudium in Innsbruck seine Ausbildung an der II. Medizinischen Universitätsklinik des AKH Wien mit einem einjährigen klinischen und Forschungsaufenthalt in Texas absolviert. Er habilitierte sich über die bildgebende Diagnostik des Kopf-Hals-Bereiches mit dem besonderen Schwerpunkt der Darstellung von Karzinomen im Oropharynx. Damit gelang ihm als erster die direkte bildgebende Darstellung und das radiologische Staging dieser Tumoren, die zu dieser Zeit mittels CT und MRT wegen der langen Akquisitionszeiten und starken Artefakten nicht sichtbar waren.

Aus der Sicht des Strahlenschutzes ist es das große Verdienst von Franz Frühwald, die „Orientierungshilfe Radiologie“ erstellt zu haben. Dies geschah gemeinsam mit der Österreichischen Röntgengesellschaft, damals unter der Präsidentschaft von Heinrich Czembirek, der Bundesfachgruppe Radiologie, dem Verband für Bildgebende Diagnostik Österreichs, dem Verband für Medizinischen Strahlenschutz Österreichs und unter Einbeziehung aller großen medizinischen Fachgesellschaften. Damit gelang es erstmals, die Meinungsbildung und Entscheidung zur Indikation radiologischer Untersuchungen aus dem Entscheidungsbereich von Administratoren und Verwaltern im Gesundheitswesen auf breiter Konsensbasis in die Hände der Ärzte zu legen. Ab dem Zeitpunkt der ersten Auflage der „Orientierungshilfe“ mussten der Bekanntheitsgrad der Broschüre und die Akzeptanz erst wachsen. Dies geschah durch eine aktive Implementierungsstrategie mit Postversand an alle in Österreich tätigen Ärztinnen und Ärzte, begleitet von Informationsabenden in verschiedenen Bundesländern.

Die „Orientierungshilfe“ ist heute unter anderem eine fix etablierte Lernunterlage an einzelnen österreichischen Universitäten. Österreich konnte sich nach Großbritannien damit als EU-Mitgliedsstaat mit einer eigenständigen Entwicklung auch international positionieren und die Grundlage für weitere Verbesserungen bzw. eine Anhebung des Evidenzniveaus legen, wie es derzeit im Rahmen der European Referral Criteria Study geschieht.

Als Standesvertreter und Vorsitzender der Bundesfachgruppe Radiologie seit nunmehr über zehn Jahren hat Doz. Frühwald die Geschicke der österreichischen Radiologie entscheidend mitgeprägt. Das war und ist angesichts der mit dieser Funktion verbundenen Aufgabenstellungen und nötigen Auseinandersetzungen nicht immer leicht.

Eine wichtige argumentative Positionierung des Faches Radiologie ist der von Franz Frühwald viel verwendete Terminus der „Fachmeinung“, d. h. die klare Differenzierung zwischen rechtlich-verbindlichem radiologischem Befund und der als Teil der klinischen Untersuchung zu definierenden Beurteilung eines nichtradiologischen Facharztes. Diese Definition schafft sehr viel Klarheit bei der Erarbeitung gesetzlicher Grundlagen bzw. bei der Finanzierung des Gesundheitswesens und trägt viel dazu bei, Differenzen zwischen Fachgruppen (Turf battles) auszugleichen.

 

Ein im Zusammenhang mit diesen Ehrungen zu zitierendes Wort ist das des Wissenschaftsmanagements. Es wurde und wird auch heute noch unterschätzt, wie bedeutend das Schaffen von Infrastruktur inklusive finanzieller Ressourcen, des Mentorings junger Wissenschaftler und des Förderns des Team-Gedankens ist. Die Rolle des Wissenschaftsmanagers ist essentieller als je zuvor, gerade für ein interdisziplinär agierendes Fach wie es die Radiologie ist.

Der britische Wissenschaftler L. Harding hat in seiner 1997 veröffentlichten Publikation „Radiation protection-Iessons from the past“ klar dargelegt, dass alle Entwicklungen des Strahlenschutzes primär nicht durch Gesetze und Verordnungen, auch nicht so sehr durch universitäre oder andere institutionelle Leistungen vorangetrieben wurden. Primär war es die ehrenamtliche Tätigkeit von Funktionsträgern in wissenschaftlichen Gesellschaften, die in ihrer Freizeit die gerade aktuellen Themen aufgegriffen und in den zuständigen Gremien zur Sprache gebracht bzw. Konzepte entwickelt haben.